Quo vadis ETB – Miners?

Mein Traum vom Bundesliga-Basketball in Essen lebt mehr denn je

Seit 1992 begleitet mich der Basketball in Essen. Ich habe Höhen erlebt, Rückschläge miterlebt, legendäre Spiele gesehen und bittere Niederlagen ertragen. Aber eines hat sich in all den Jahren nie verändert: mein Traum, irgendwann einmal dauerhaft BBL-Bundesliga-Basketball in Essen erleben zu dürfen.

Ich war immer überzeugt davon, dass Essen das Potenzial dafür besitzt. Diese Stadt hat die wirtschaftliche Stärke, sie hat sportbegeisterte Menschen und sie hat eine Basketball-Tradition, die viele außerhalb des Ruhrgebiets unterschätzen.

Schon in den 90er Jahren, als der ETB in der 2. Bundesliga Nord spielte und die legendäre Helmholtzhalle regelmäßig kochte, habe ich daran geglaubt. 

Obwohl es damals sportlich oft eng wurde und der Weg eher Richtung Regionalliga als Bundesliga zeigte, war diese Begeisterung einfach da. Basketball in Essen hatte etwas Besonderes.

Die große Zeit der ETB Wohnbau Baskets war dann für viele von uns die Erfüllung eines Traums. Volle Halle Am Hallo, starke amerikanische Spieler, professionelle Strukturen und plötzlich war Essen wieder ein Name im deutschen Basketball. Der direkte Durchmarsch von der Regionalliga über die ProB bis in die ProA war unglaublich. Zeitweise schien selbst die BBL nicht mehr völlig unrealistisch.

Doch dann kam der Absturz.

Die Insolvenz 2019 war für mich persönlich ein Schock. Basketball in Essen lag komplett am Boden. Der Ruf war beschädigt, Sponsoren zogen sich zurück und viele hatten innerlich bereits abgeschlossen. Ich weiß noch genau, wie hoffnungslos die Situation damals wirkte. Als sogar der Parkettboden ( immerhin knapp 200.000 Euro wert) in die Insolvenzmasse fiel, dachte ich wirklich: Das war’s. Denn ohne Parkettboden gibt es keine Lizenz für höherklassigen Basketball. Die Perspektive schien endgültig zerstört.

Gerade deshalb kann ich bis heute nicht hoch genug einschätzen, was Dieter Homscheidt und Robert Hildebrandt damals in dieser so hoffnungslosen Situation gemacht haben. Zwei Menschen, die einfach nicht bereit waren, den Basketballstandort Essen sterben zu lassen. Sie haben in einer Phase Verantwortung übernommen, in der viele andere längst aufgegeben hatten.

Der Neustart war alles andere als glamourös. Zurück in die Regionalliga, zurück  in die Helmholtzhalle, zurück zu kleinen Budgets und viel Improvisation. Und dann folgte sogar noch der sportliche Abstieg in die 2. Regionalliga, und das, obwohl mit Chris Alexander,  einer der besten US Amerikaner, die seinerzeit in Essen gespielt hatten, verpflichtet werden konnte!

Ehrlich gesagt: Da hatte ich zum ersten Mal wirklich Angst, dass Basketball in Essen dauerhaft in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.

Und dann kam Corona – und mit dieser verrückten Zeit auch eine unglaubliche Wendung! Der Abstieg in die zweite Regionalliga blieb dem ETB erspart, nach der coronabedingten Pause durfte das Team in der ersten Regionalliga neu starten!. 

Genau zu diesem Zeitpunkt erfuhr Dieter Homscheidt eher zufällig, dass Raphael „Raffi“ Wilder gerade ohne sportliche Heimat war. Rückblickend war genau dieser Moment vermutlich einer der entscheidendsten Wendepunkte der jüngeren Essener Basketballgeschichte.

Dieter Homscheidt und Robert Hildebrandt wussten damals, dass der Basketball in Essen nach Insolvenz, Absturz und Chaos nur dann wieder eine echte Perspektive bekommen würde, wenn es gelingt, Menschen mit Visionen und basketballerischer Kompetenz für das neue ETB-Projekt zu begeistern.

Und genau deshalb suchten sie das Gespräch mit Raffi Wilder.

Wer Raffi kennt, weiß: Er brennt für Basketball. Er denkt nicht in kleinen Schritten. Er will entwickeln, gestalten und erfolgreich sein. Entsprechend kritisch und genau schaute er damals auf die Situation in Essen.

In den ersten Gesprächen mussten Dieter und Robert Raffi zunächst davon überzeugen, dass dieses neue ETB-Projekt tatsächlich Zukunft haben kann. Dass es nicht nur um kurzfristigen Basketball ging, sondern um den ehrlichen und nachhaltigen Wiederaufbau eines gesamten Basketballstandortes.

Und genau das gelang ihnen.

Gleichzeitig brachte auch Raffi seine klare sportliche Vision ein, wie Basketball in Essen wieder wachsen und erfolgreich werden könnte. Aus diesen Gesprächen entstand Schritt für Schritt Vertrauen – und schließlich die gemeinsame Überzeugung, diesen Weg zusammenzugehen.

Im Nachhinein kann man sagen: Genau dort begann die außergewöhnliche Reise der heutigen ETB Miners.

Als einer der ersten Schritte, holte Raffi mit Lars Wendt, einst selbst aktiver und erfolgreicher Bundesligaspieler, der verletzungsbedingt viel zu früh seine Karriere beenden musste, einen zunächst unerfahrenen Trainer nach Essen, den er bereits als Spieler kannte, dem er vertraute und dem er letzendlich auch zutraute, in Essen gemeinsam etwas aufzubauen!, So entstand Schritt für Schritt etwas ganz Besonderes.

 Ich habe selten erlebt, dass ein Verein so viel Leidenschaft, Zusammenhalt und Identifikation ausgestrahlt und entwickelt hat, wie die Miners in den vergangenen Jahren. Natürlich gab es Rückschläge. Das dramatische Scheitern gegen Ibbenbüren in der ersten gemeinsamen Regionalligasaison tat weh. Aber genau solche Niederlagen haben diese Mannschaft und diesen Verein stärker gemacht.

Der Aufstieg gegen die BBA Hagen ein Jahr später war dann emotional kaum zu beschreiben. Nach all den schweren Jahren war Essen endlich zurück im bundesweiten Basketball.

Und was danach passiert ist, hätte ich ehrlich gesagt niemals für möglich gehalten.

Als Aufsteiger direkt die Playoffs erreichen, den großen Favoriten Leitershofen rauswerfen, sich gegen Sandersdorf durchsetzen und erst im Halbfinale scheitern – das war bereits sensationell.

Doch diese Saison hat alles noch einmal übertroffen.

Die Mannschaft, die Raffi und Lars zusammen, war nicht nur sportlich stark – sie hatte Charakter. Sie war eine echte Einheit. Angeführt von  Quashawn Lane, der gerade erst von der zweiten Liga zum MVP der gesamten Pro B  ausgezeichnet  wurde, spielte das Team eine Saison, die ich in dieser Dominanz niemals erwartet hätte. Es gab keinen Star, die Mannschaft war dieser! Kein  einziges Auswärtsspiel verloren. Platz eins im Norden. Sechs Siege in den Playoffs. Und jetzt tatsächlich der Aufstieg in die ProA.

Wenn ich heute in der Halle Am Hallo sitze und sehe, wie Basketball in Essen wieder lebt, dann erfüllt mich das ehrlich gesagt mit großer Freude und mit Stolz. Nicht nur wegen des sportlichen Erfolgs, sondern weil dieser Verein nach der Insolvenz eigentlich schon tot war.

Und genau deshalb ziehe ich meinen Hut vor allen Verantwortlichen. Vor Dieter Homscheidt, Robert Hildebrandt, Raffi Wilder und Lars Wendt, vor den Spielern, den Sponsoren, den Helfern und allen Fans, die diesen Weg mitgegangen sind.

Aber jetzt beginnt die nächste große Herausforderung.

Die ProA ist wirtschaftlich und infrastrukturell noch einmal eine völlig andere Welt. Neuer Parkettboden, neue Korbanlagen, professionelle Strukturen und vor allem deutlich höhere Etats von mindestens 1.5 bis zwei Millionen EUR werden notwendig sein, um in dieser Liga sportlich mithalten zu können. Ohne starke Unterstützung aus der Wirtschaft wird das kaum möglich sein.

Und trotzdem glaube ich weiter an den großen Traum.

Ich träume weiterhin davon, irgendwann Basketball in der 1. Basketball-Bundesliga in Essen zu erleben. Vielleicht nicht morgen, vielleicht auch nicht übermorgen. Aber warum eigentlich nicht? Deutschland ist Welt- und Europameister im Basketball. Basketball in Deutschland boomt wie nie zuvor. Essen will  eine große Sportstadt sein hat und hat riesiges Potenzial.

Vielleicht muss die Wirtschaft in dieser Stadt einfach irgendwann erkennen, was hier gerade entsteht und das es neben Rot Weiss Essen ein Team gibt, das sich die Unterstützung in jeglicher Art mehr als verdient hat!

Denn eines steht für mich fest:

Nach allem, was passiert ist, nach Insolvenz, Absturz und Neustart, ist das, was die ETB Miners heute erreicht haben, eigentlich kaum noch in Worte zu fassen.

Und ich bin einfach nur dankbar, diesen Weg miterleben zu dürfen.

Peter Pfeffer

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