Ein Zuhause lässt einen nie ganz los
Manchmal führt der direkte Weg nicht zum Ziel. Manchmal braucht es einen Umweg, um sein wahres Potenzial zu entdecken. Die Geschichte von Isaiah Sanders ist genau so eine Geschichte.
Als der US-Amerikaner im Sommer 2023 direkt vom College zu den Nürnberg Falcons in die ProA wechselte, waren die Erwartungen groß. Der treffsichere Shooting Guard aus New Jersey galt als exzellenter Werfer und talentierter Basketballer. Nach erfolgreichen Jahren an der Fairmont State University wollte er in Deutschland den nächsten Schritt machen und seine Profikarriere starten.
Doch der Traum verlief zunächst anders als erhofft. In Nürnberg fand Sanders nie wirklich seinen Rhythmus und verlor seinen Platz in der Rotation – zu selten konnte er sein Können zeigen. Die Statistiken spiegelten längst nicht das wider, was tatsächlich in ihm steckte. Für viele wäre dieser schwierige Start ein Rückschlag gewesen, von dem man sich nur schwer erholt.
Nicht aber für Raphael Wilder.
Der sportliche Leiter der ETB Miners erkannte etwas, das andere übersehen hatten. Er sah nicht die Zahlen, sondern den kompletten Spieler dahinter. Wilder war überzeugt, dass Isaiah Sanders das Zeug dazu hatte, sich zu einem Topspieler zu entwickeln.
Er überzeugte Sanders, den ungewöhnlichen Schritt zurück in die ProB zu gehen. Für viele schien das ein Rückschritt. Tatsächlich war es der Beginn einer Erfolgsgeschichte.
Essen wurde zu seiner sportlichen Heimat
Bei den ETB Miners bekam Isaiah genau das, was er gesucht hatte: Vertrauen, Verantwortung und Menschen, die an ihn glaubten.
Unter dem Trainer-Duo Wendt/Wilder entwickelte sich Sanders zum absoluten Führungsspieler. Ob spektakuläre Dreier, explosive Züge zum Korb oder wichtige Würfe in engen Spielen – Isaiah war immer dann zur Stelle, wenn seine Mannschaft ihn brauchte.
Für beide Seiten erwies sich der Wechsel als Glücksgriff. Die Miners gewannen einen Spieler, der auf und neben dem Feld Verantwortung übernahm und schnell zum Gesicht der Mannschaft wurde. Isaiah wiederum fand in Essen genau das Umfeld, das er brauchte, um sein enormes Potenzial endlich voll zu entfalten.
Doch nicht nur sportlich hinterließ er Eindruck. Mit seiner offenen, sympathischen Art und seiner Bescheidenheit entwickelte sich Isaiah in kürzester Zeit zum absoluten Publikumsliebling.
Mit durchschnittlich knapp 20 Punkten pro Spiel gehörte er zudem zu den stärksten Spielern der gesamten ProB.
Gemeinsam mit den Miners spielte er eine begeisternde Saison und führte das Team bis ins Halbfinale der Play-offs. Mit seinen Leistungen trug er entscheidend dazu bei, dass sich der ETB endgültig wieder als Spitzenteam der ProB etablierte.
Der verdiente Schritt zurück in die ProA
Dass ein solcher Spieler Begehrlichkeiten wecken würde, war nur eine Frage der Zeit.
Mehrere ambitionierte ProA-Clubs beobachteten seine Entwicklung genau. Schließlich machten die Tigers Tübingen das Rennen und verpflichteten Sanders für die Saison 2025/26. Auch hier hielt Raphael Wilder sein Wort und stellte die Weichen für Isaiah nach Tübingen.
Dort zeigte er eindrucksvoll, dass seine Leistungen in Essen keine Eintagsfliege gewesen waren. In einer deutlich stärkeren Liga etablierte er sich schnell als wichtiger Rotationsspieler und als einer der gefährlichsten Distanzschützen der ProA. Mit einer Dreierquote von über 42 Prozent gehörte er ligaweit zu den treffsichersten Werfern. In durchschnittlich knapp 17 Minuten Spielzeit erzielte er fast zehn Punkte pro Partie und bewies eindrucksvoll, dass er auch auf diesem Niveau mehr als nur bestehen kann.
Manchmal schließt sich ein Kreis
Nach dieser erfolgreichen Saison hätten wohl die wenigsten damit gerechnet, dass Isaiah Sanders noch einmal nach Essen zurückkehren würde.
Doch genau das ist den ETB Miners gelungen.
Auch diesmal spielte Raphael Wilder eine entscheidende Rolle. Der Kontakt zwischen beiden war nie abgerissen. Gemeinsam mit den Verantwortlichen überzeugte er Sanders davon, dass seine Geschichte in Essen noch nicht zu Ende erzählt ist.
Und so wird Isaiah Anfang August wieder in Essen eintreffen.
Die Vorfreude ist auf beiden Seiten riesig. Sanders freut sich darauf, erneut im Sportpark „Am Hallo“ aufzulaufen, bekannte Gesichter wiederzusehen und gemeinsam mit den Fans ein neues und erfolgreiches Kapitel zu schreiben.
Große Ziele für eine historische Saison
„Für uns, für die ETB Miners, beginnt mit der ersten Saison in der ProA ein neues Zeitalter“, so Geschäftsführer Dieter Homscheid. „Dafür braucht es Spieler, die Verantwortung übernehmen, vorangehen und in entscheidenden Momenten den Unterschied machen. Umso mehr freuen wir uns, dass wir Isaiah von unserem Plan und unserer Vision überzeugen konnten. Er bringt all das mit. – er kennt den Verein, die Menschen und die besondere Atmosphäre im Hallo. Gleichzeitig kehrt er als gereifter Spieler zurück – mit der Erfahrung aus einer weiteren Saison in der ProA, noch mehr Selbstvertrauen und dem festen Willen, die Miners auf ihrem neuen Weg anzuführen.“
Genauso sieht es Headcoach Lars Wendt: „Mit Isaiah bekommen wir nicht nur einen herausragenden Basketballer zurück, sondern auch einen Menschen, der perfekt zu den Miners passt da er unsere Philosophie genau kennt. Seine Qualität auf dem Feld ist unbestritten, aber genauso wichtig sind seine Persönlichkeit, seine Teamfähigkeit und sein unbedingter Wille, Verantwortung zu übernehmen. Wir freuen uns riesig, dass Isaiah wieder ein Teil unserer Mannschaft ist und sind überzeugt, dass er in unserer ersten ProA-Saison eine ganz wichtige Rolle spielen wird.“
Manchmal führt einen der Umweg genau dorthin, wo man hingehört – willkommen zurück zu Hause, Isaiah!
