Danke, Raffi! – Eine Ära bei den ETB Miners geht zu Ende

Manchmal gibt es Menschen in einem Verein, deren Wirken weit über ihre eigentliche Funktion hinausgeht. Menschen, die prägen, gestalten und mit ihrer Erfahrung, ihrem Wissen und ihrer Persönlichkeit entscheidend dazu beitragen, dass aus einer Idee eine Erfolgsgeschichte wird. Ein solcher Mensch ist Raphael Wilder, der von allen Raffi genannt wird.

Mit Raffi Wilder, der seit dem Frühjahr 2020 die Geschicke der ETB Miners entscheidend mitgestaltet hat, ist die jüngste Erfolgsgeschichte unseres Vereins untrennbar verbunden.

Wer heute auf die Entwicklung der ETB Miners blickt, sieht nicht nur eine Mannschaft, die Meister in der PRO B geworden ist, sondern einen professionell aufgestellten Verein, eine begeisterte Fangemeinde und eine Organisation, die sich mit dem Aufstieg in die PRO A in Deutschland wieder einen Namen gemacht hat.

Wer jedoch verstehen will, was Raffi Wilder für die Miners bedeutet, muss zurückblicken, zurück in eine Zeit, in der kaum noch jemand an den Basketballstandort Essen glaubte.

Denn als Raffi zu den Miners kam, befand sich der Verein in einer schwierigen Phase. Die Insolvenz des Vorgängervereins lag noch schwer über dem Essener Basketball. Das Vertrauen von Sponsoren war verloren gegangen, die Akzeptanz in der Wirtschaft war gering, die Zuschauerzahlen in der Helmholtzhalle waren überschaubar. Sportlich drohte der Gang in die 2. Regionalliga, der letztlich nur durch die besonderen Umstände der Corona-Pandemie verhindert wurde. Viele hatten den Basketballstandort Essen und die Miners zu diesem Zeitpunkt längst abgeschrieben.

Genau in dieser Situation begann die Geschichte von Raffi Wilder bei den Miners.

Es brauchte damals viel Überzeugungsarbeit von Dieter Homscheidt, um Raffi für das Projekt „Basketball in Essen“ zu gewinnen. Denn was auf dem Papier stand, war kein Selbstläufer und schon gar kein sportlicher Traumjob. Es war vielmehr ein Wagnis. Die Vision war groß, die Möglichkeiten dagegen begrenzt. Es gab viele Fragezeichen und kaum Garantien.

Dass Raffi sich dennoch für diesen Weg entschied, erforderte Mut, Leidenschaft und vor allem die Fähigkeit, Möglichkeiten zu erkennen, wo andere nur Probleme sahen.

Und wer Raffi kennt, weiß, dass Basketball für ihn niemals nur ein Spiel war. Basketball ist für ihn Leidenschaft und täglicher Antrieb zugleich.

Sein Anspruch war es dabei immer, groß zu denken („Think big“, wie Raffi immer zu sagen pflegt) und erfolgreich zu sein. Nicht nur um des Erfolges willen, sondern auch, weil er überzeugt ist, dass Erfolg das Ergebnis von harter Arbeit, Disziplin, Teamgeist und der richtigen Einstellung ist. Aus diesem Antrieb heraus forderte er auch vieles von den Miners, wie zum Beispiel eine Professionalisierung in allen Bereichen, die Rückkehr ins Sportzentrum Am Hallo, die Möglichkeit, mindestens zweimal täglich trainieren zu können und vieles mehr.

Mit seinem enormen Basketball-Sachverstand, seiner jahrzehntelangen Erfahrung und seinem feinen Gespür für Menschen begann er Schritt für Schritt, gemeinsam mit den Verantwortlichen etwas aufzubauen, was viele zuvor für unmöglich gehalten hatten.

Was danach folgte, ist längst Vereinsgeschichte.

Unter seiner sportlichen Verantwortung gelang den ETB Miners innerhalb von nur fünf Jahren der Weg von einer existenziell schwierigen Situation bis hin zum Aufstieg in die PRO A. Zwei Aufstiege markieren dabei die sportlichen Meilensteine dieser Entwicklung.

Für Raffi Wilder war dies jedoch keineswegs der erste Erfolg dieser Größenordnung. Bereits bei drei anderen Vereinen hatte er zuvor maßgeblichen Anteil an Aufstiegen und nachhaltigen sportlichen Entwicklungen. Mit den ETB Miners ist es ihm damit bereits zum vierten Mal gelungen, einen Verein auf seinem Weg in höhere Spielklassen entscheidend zu begleiten und langfristig zu prägen.

Ein wesentlicher Schlüssel zu diesem Erfolg war seine besondere Fähigkeit, Mannschaften zu formen, die weit mehr waren als die Summe ihrer einzelnen Spieler. Es waren Teams mit Charakter, Teams, die füreinander einstanden, Verantwortung übernahmen und jeden Tag den Anspruch hatten, besser zu werden und alles für den ETB zu geben. Teams, mit denen man sich identifizieren konnte – oder besser gesagt: identifizieren wollte.

Viele Spieler kamen als Talente nach Essen und gingen als Persönlichkeiten. Von seinem Wissen, seiner Erfahrung und seiner Bereitschaft, andere besser zu machen, profitierten jedoch nicht nur zahlreiche Spieler, auch das gesamte Vereinsumfeld gewann durch seine Impulse und seine klare Vorstellung von erfolgreicher Teamarbeit.

Besonders sichtbar wird dies bei unserem Headcoach Lars Wendt, der sich unter Raffis Begleitung und Förderung zu einem anerkannten und erfahrenen Trainer entwickeln konnte.

Raffi war dabei nie der Lauteste, auch wenn er mal laut wurde, aber meistens war er derjenige, dessen Worte ein großes Gewicht hatten. Seine Ruhe, seine Ehrlichkeit und seine Klarheit machten ihn nicht nur in Essen zu einer Respektsperson, sondern auch weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Mit seinem Wirken hat er entscheidend dazu beigetragen, Basketball in Essen wieder erfolgreich zu etablieren. Er war einer der Architekten einer Entwicklung, die die ETB Miners auf eine neue Stufe gehoben und den Verein nachhaltig professionalisiert hat.

Doch jede erfolgreiche Entwicklung bringt auch Veränderungen mit sich. Nach dem historischen Aufstieg in die PRO A steht der Verein vor neuen Aufgaben und Herausforderungen.

Die Anforderungen in der zweithöchsten deutschen Basketballliga sind deutlich komplexer als in der PRO B: Professionalisierung, Organisation, Kaderplanung, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Vorgaben der Liga erreichen eine neue Dimension.

Um diesen Herausforderungen erfolgreich begegnen zu können, müssen auch die Strukturen innerhalb des Vereins mitwachsen und sich weiterentwickeln.

Vor dem Hintergrund haben die Verantwortlichen der ETB-Miners und Raffi Wilder in mehreren vertrauensvollen Gesprächen gemeinsam darüber beraten, wie die sportliche Verantwortung künftig gestaltet werden soll, um den Verein bestmöglich für die Zukunft aufzustellen. Im Ergebnis dieser Gespräche hat Raffi nach reiflicher Überlegung die Entscheidung getroffen, seine Aufgaben als Sportlicher Leiter und Co-Trainer der ETB Miners zum 30. Juni 2026 niederzulegen.

Raffi selbst beschreibt seine Entscheidung wie folgt:

„Ich habe beschlossen, nicht mehr der sportliche Leiter und Co-Trainer zu sein, da ich nicht mehr alles, was das Sportliche betrifft, entscheiden  kann. Und ich möchte keine Verantwortung für etwas übernehmen, was ich nicht entscheiden kann. Jetzt bleibe ich dem Verein als Berater erhalten und unterstütze ihn momentan dabei, den Spielermarkt zu sondieren und Spieler zu verpflichten.“

So bedeutet diese Entscheidung keineswegs einen Abschied von den ETB-Miners. Raffi wird dem Verein auch künftig als Berater verbunden bleiben und  den weiteren Weg der Miners mit seinem Wissen, seinem Netzwerk, seiner großen Erfahrung und seiner Leidenschaft begleiten. Bereits in den vergangenen Wochen hat er daran mitgewirkt, die sportlichen Grundlagen für die kommende Saison zu schaffen und wichtige Weichen für die Zukunft zu stellen.

Lieber Raffi,

wir sagen von Herzen Danke.
Danke für Deine Geduld – Danke für Deine Unterstützung – Danke für Deine Ehrlichkeit – Danke für Dein Wissen – Danke für Deine Leidenschaft.
Vor allem aber danken wir Dir für Deinen unerschütterlichen Glauben an die ETB Miners zu einem Zeitpunkt, als viele andere diesen Glauben längst verloren hatten. Ohne Dich wäre vieles von dem, was wir heute erreicht haben, nicht möglich gewesen.
Du hast Spuren hinterlassen – sportlich, menschlich und im Herzen dieses Vereins. Wir freuen uns, dass Du auch künftig ein Teil unserer gemeinsamen Zukunft sein wirst und  sind überzeugt, dass Dein Rat und Deine Unterstützung weiterhin einen wertvollen Beitrag zur erfolgreichen Entwicklung unserer Miners leisten werden.

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